Dr. Rafi im Portrait

  • Geschrieben von Dr. med. A. A. Rafi
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Mit meinen Patienten pflege ich oft und gerne ein persönliches Verhältnis, denn es gibt mir Einblick in die "Umgebung" ihrer Krankheiten und Beschwerden und lässt auch Rückschlüsse auf deren Ursachen zu. Zum Ausgleich möchte ich auch Ihnen Gelegenheit geben, mich etwas persönlicher kennenzulernen. Statt einem statistischen Lebenslauf schreibe ich Ihnen deshalb einige Reflektionen aus meinen Leben.

Meine Kindheit in einer anderen Welt.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Teheran, Iran, und das ist wirklich eine andere Welt. Im Vergleich zum Leben hier waren es recht einfache Verhältnisse, in denen ich zusammen mit meinen Eltern und meinen fünf Geschwistern meine Kindheit verbrachte. Doch es mangelte uns an nichts. Im Gegenteil: wir hatten viel Spaß miteinander und eine außergewöhnlich positive Atmosphäre in der Familie. Meinen Eltern und meinen Geschwistern verdanke ich meine gesamte Karriere. Dabei waren es vor allem zwei Grundsätze, die unserem Leben einen Rahmen, eine Art Philosophie gegeben haben:

  1. Wir sind für einander da und wir helfen anderen.
  2. Es kommt nicht darauf an, wer jemand ist, sondern was er aus seinem Leben macht.

Durch meine Mutter, die sich gut auf ayurvedische Behandlungen verstand, bin ich früh auf Gesundheitsthemen aufmerksam geworden. Schon als kleines Mädchen stand deshalb für mich fest: "Wenn ich einmal groß bin, will ich Ärztin werden." Die Frage war nur, wie sich dieses Ziel erreichen lassen würde.

Meine rundum sportliche Jugend.

In der Schulzeit entdeckte ich zunächst meine sportliche Seite. Mit wachsendem Erfolg spielte ich Badminton und Tischtennis und wurde im Badminton schließlich Landesdritte in Persien. So war es nur konsequent, dass ich mich zur Jugend-Nationaltrainerin und Sportlehrerin weiterentwickelte. An meinem Ziel, Ärztin zu werden, konnte dies jedoch nichts ändern.

Doch wie studieren? Im Iran herrschte gerade die große Kulturrevolution und die Universitäten waren geschlossen. Ich entschloss mich deshalb dazu, nach Deutschland zu gehen. Eine Entscheidung, die ich bis heute nie bereut habe.

Mein Wechsel nach Deutschland: Aller Anfang ist schwer.

Ganz so einfach war das in den 90er Jahren nicht, einen Humanmedizin-Studienplatz zu bekommen. Zulassungstest, Numerus Clausus und ein großer Andrang auf die wenigen freien Plätze - das hatte ich mir doch leichter vorgestellt. Ich begann deshalb zunächst ein Studium der Lebensmittelchemie und Ernährungswissenschaft, das ich bis zum Vordiplom fortgeführt habe. Immerhin konnte ich mich dabei mit für mich spannenden Themen wie Botanik, Zoologie und dem Menschen beschäftigen.

Ich lebte damals mit meinem beiden Brüdern zusammen. Und die hatten bald unter meinem Forscherdrang zu leiden. Kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendwelche Pflanzen mitbrachte und auf dem Küchentisch in ihre Bestandteile zerlegte. Ich erinnere mich noch gut an den Protest meiner Brüder, als ich einmal keimende Kichererbsen in der Küche vergaß. So mussten beide unfreiwillig feststellen, dass die Natur durchaus explosiven Charakter haben kann.

Aus Botanik wurde Zoologie, aus Kichererbsen wurden Kakerlaken und Mäuse, die mich nun mit ihrem Innersten in den Bann zogen. Die Leidensfähigkeit meiner Brüder wurde erneut auf die Probe gestellt. Da sie von meiner Absicht wussten, bald auf Medizin umzusteigen, wuchs bei ihnen schnell die Angst, dass sich unser gemeinsamer Tisch demnächst auch noch mit menschlichen Organen füllen würde. Das habe ich dann aber doch im Labor erledigt.

Und tatsächlich war ich nun am Ziel meiner Träume. Ich studierte Humanmedizin an der Johann Wolfgang Goehte-Universität in Frankfurt am Main.

Meine Ausbildung: Ganzheitlich aus Überzeugung.

Schon früh in Kontakt mit den so genannten alternativen Heilverfahren, konnte mir die klassische europäische Schulmedizin nie ein ausreichendes Bild vom Menschen mit seinen Krankheitsbildern vermitteln. Während ich mein praktisches Jahr im Klinikum Höchst und schließlich meinen Facharzt für Innere Medizin im St. Katherinen Krankenhaus in Frankfurt absolvierte, orientierte ich mich gleichzeitig zu anderen medizinischen Wissensbereichen: Ayurvedische Medizin, Naturheilverfahren, Komplementärmedizin, Chinesische Heilmedizin, Homöopathie und schließlich die positive Psychotherapie nach Nossrat Peseschkian. Beide - die schulmedizinische Ausbildung und die Weiterbildungen in Richtung einer ganzheitlichen Medizin - prägen meine Auffassung als Ärztin heute und die Arbeit für meine Patienten.

Meine Praxis: Verliebt in den Zauberberg.

Nach meinem Erziehungsurlaub für meine Tochter 2001/2002 begann ich mich allmählich nach einem Standort für eine eigene Praxis umzusehen. Der Zauberberg und ich haben uns gesucht und gefunden. Schon bei meinem ersten Besuch - ich hatte gerade erfahren, dass eine Praxis frei wurde - war mir klar, dass hier und nur hier der richtige Ort für mich ist. Denn nicht nur für meine Patienten, sondern auch für mich selbst, ist der Zauberberg Ruppertshain ein wunderbarer Ort der Entspannung und Erholung. Das Gebäude, die Atmosphäre, der Panoramablick bis hinüber nach Frankfurt und nicht zuletzt, die gute Luft hier oben, haben mich sofort begeistert. Ich war verliebt in den Zauberberg - und bin es noch heute.